Am 4. und 5. November, parallel zur High End Swiss 2017, haben wir bei Audio Vinyl einen spannenden, kostenlosen Event vorbereitet.

,

Bevor Hartmut Roemer am 4. und 5. November zu Gast bei Audio Vinyl ist  um die Entstehung und Entwicklung der neuen Lumen White Modelle zu erklären, durften wir ihm vorab einige Fragen zu seinem Werdegang und den legendären Lautsprechern – nicht zuletzt ihrem stolzen Preis – stellen. Der Event findet parallel zur High End Swiss 2017 in Regensdorf statt und ist kostenlos (hier mehr dazu).

Audio Vinyl: Wie sind Sie dazu gekommen, Audio-Produkte zu entwickeln und was treibt Sie an?

Hartmut Roemer: Musik hat mich seit meiner Jugend fasziniert und dabei wurde die Technik zu ihrer Wiedergabe automatisch zu einem Thema. Die Kluft zwischen der im Umgang mit Instrumenten und Live-Darbietungen erfahrenen Klangqualität und elektronisch reproduzierter Musik wurde zu einer bleibenden Beschäftigung. Mit der Zeit entwickelte sich daraus ein wachsendes Verständnis von den dabei wirkenden Kausalitäten und dafür, welche neuen Designansätze zu mehr Authentizität der Wiedergabe führen könnten.

Gegen Ende der 90er Jahre habe ich diese Ideen dann in Form von Prototypen realisiert. Ursprünglich nur zum Eigengebrauch gedacht, sprach sich deren Klangqualität sehr rasch herum, und erzeugte in der Folge so viel engagierte Kaufangebote, dass eine Serienfertigung sinnvoll wurde. Den Musikliebhabern folgten mehr Musikliebhaber, Musiker, Aufnahme-Ingenieure und High-End Reviewer – der Rest ist Geschichte.

Audio Vinyl: Was machen die Lumen White so speziell? Welcher Aufwand steckt hinter solchen exklusiven Produkten, welche sich in der obersten Preisklasse befinden?

Hartmut Roemer: Am geringsten ist vergleichsweise der Werbeaufwand. Die Lumen White Produkte bewerben sich in gewisser Weise von selbst – über ihren Klang und die Empfehlungen ihrer Besitzer.

Ansonsten folgen sie sehr eigenständigen Design- und Technologie-Ansätzen, welche von Vertretern konventioneller Konzepte oftmals als “unmachbar” eingeschätzt wurden – und werden. Was in der Essenz lediglich besagt, dass es notwendig ist, ausserhalb ausgetretener Pfade neue Wege zu erforschen, um massgebliche oder gar bahnbrechende qualitative Verbesserungen erzielen zu können. Letzteres scheint uns seit nunmehr über 18 Jahren zu gelingen, Lumen White Produkte etablierten sich bereits im ersten Jahr ihres Erscheinens weltweit als Klangreferenzen und begeistern seit ehedem ihre Besitzer.

Die Lumen White Modelle (v.l.n.r.) «kyara», «white light anniversary» und «lumyere»

Naturgemäss ist der dafür notwendige Entwicklungs- und Fertigungs-Aufwand höher als bei konventioneller Technik. Obgleich wir kontinuierlich innovative Audio-Technologien entwickeln, ist die Technik hier nicht Selbstzweck oder Trittbrett einer technologischen Schlagzeilenkultur, sondern dient dem Ziel, Musik möglichst naturgetreu und realistisch wiederzugeben.

Für fundamental erachte ich dabei die psycho-akustische Wirkung der verwendeten Materialien und Technologien, ein Bereich, der meiner Meinung nach zu wenig Beachtung findet. Nicht wenige der heute in der Audio-Technologie verwendeten Materialien und Konzepte kollidieren mit Grunderfordernissen des menschlichen Hörens und erzeugen in der Folge perzeptiven Stress und Hör-Ermüdung. Dadurch wird ein wirkliches Erleben der Musik unnötigerweise behindert oder gar vereitelt. Diese Zusammenhänge zu verstehen und konstruktiv umzusetzen bildet einen wesentlichen Aspekt unserer Entwicklungen und Klangkultur.

Um nur zwei von zahlreichen Beispielen anzusprechen: im ambitionierten Instrumentenbau galt Vollholz von jeher als das Ultimo und Garant für ultimativen Klang. Entsprechend überrascht waren Experten, als vor einigen Jahren Jazzgitarren, die an dessen Stelle aus verschiedenen Tonhölzern gefertigtes Schichtholz verwendeten, ihre Vollholz-Varianten klanglich zu übertreffen vermochten. Durch die Kombination verschiedener, aufeinander abgestimmter Holzsorten in einem homogenen Material konnte ein besseres Klang- und Resonanz-Verhalten erzielt werden, und weil die gewölbten Decken diese Gitarren aus einem Stück geformt und nicht geschnitzt waren, resultierte ein besseres Dynamik- und Übertragungs-Verhalten, da dabei, anders als bei den geschnitzten Decken, keine Holzfasern verkürzt wurden.

Bei unseren Lautsprechern verwende ich diese Technologie von Beginn an, sie erfordert zwar eine sehr aufwendige handwerkliche Fertigung, bildet aber einen wesentlichen Bestandteil ihres transparenten, natürlichen Klangs.

Auch unsere Treiber sind weitgehend Sonderanfertigungen nach unseren speziellen Vorgaben, die in der Regel stark von den Standardserien abweichen. So haben wir bei den Treibern unserer aktuellen Referenzmonitore über zwei Jahre mit dem Hersteller an der Realisierung eines speziellen Antriebskonzepts gearbeitet, um die von uns gewünschte Klangqualität erzielen zu können. Solche Sonderentwicklungen sind aufwendig, zeitraubend und nicht zuletzt teuer, bilden aber letztlich die Grundlage für die Referenz-Qualitäten, für die Lumen White steht. Im Grunde entwickeln wir Produkte, mit denen wir selbst Musik hören wollen.

Eine ausführliche Diskussion der verschiedenen von uns favorisierten Technologien würde naturgemäss den Rahmen dieses Gesprächs sprengen. Interessenten an diesen Themen möchte ich daher unsere Website www.lumenwhite.com nahelegen, wo sie diese Aspekte weiter ausgeführt finden.

Grundsätzlich geht es darum, die Musik so frei wie möglich von Störeinflüssen und technischen Artefakten aus der Wiedergabetechnik zu reproduzieren. Die ideale Audio-Technologie ist quasi unhörbar, sie tritt gänzlich hinter der Musik zurück.

Diese Freiheit von Verfärbung und Eigenklang, eine Fähigkeit der Technik, Kohärenz unter komplexen, stetig wechselnden, dynamischen Signallasten aufrecht zu erhalten, ist die finale Grösse im Audio-Design – aber je näher man diesem Ziel kommt, desto grösser wird in der Regel der finanzielle Aufwand auf der letzten Meile.

Je komplexer eine Klangtechnologie, je mehr Bauteile sie im Signalweg platziert, desto grösser wird das Risiko einer Klangminderung. Will man hingegen mit minimaler Technologie höchste Klangqualität realisieren, steigen die Ansprüche an das Schaltungskonzept und die Materialgüte exponentiell an, da Korrekturschleifen ausser Frage stehen. Alle Materialien und Komponenten müssen dann von Beginn an ultimativ auf ihre Funktion hin entwickelt sein und überragende, langzeit-stabile Qualität aufweisen, was in der Regel Sonderanfertigungen oder extreme Selektion notwendig macht.

Naturgemäss ist Musiktechnologie auf diesem Niveau nicht billig zu realisieren. Dafür amortisiert sie sich aber über die höhere Qualität des Musikerlebens und nicht zuletzt auch über die Langzeitrelevanz der Produkte.

Es gibt Aufnahme-Ingenieure und Highend Reviewer, die noch heute Monitore unserer ersten Serie als Referenzen einsetzen und zahlreichen, zwischenzeitlich erschienenen Konkurrenzprodukten vorziehen. Ein Käufer unseres “Mystere” Plattenspielers erzählte mir unlängst, dass er nach Inbetriebnahme des “Mysteres” mehrere andere Referenzlaufwerke in seinem Hörraum in Verkauf gab, weil sie nichts mehr offerierten, was der “Mystere” nicht auch oder besser konnte, und das alles in einem einzigen Gerät bereitstellt. Naturgemäss sieht er den “Mystere” in der Folge als eine im Vergleich, und absolut gesehen, sehr preiswerte Anschaffung. Bei den Fertigungskosten ist es leider umgekehrt (lacht).

Audio Vinyl: Was sind ihre Ziele für die Zukunft?

Hartmut Roemer: Eine weitere Verfeinerung aller relevanten Technologien, um der Musik noch mehr Faszination zu entlocken. Eine dem Live-Konzert ähnliche Qualität des Musikerlebens auch ausserhalb der Konzertsäle möglich zu machen, ist und bleibt die Zielsetzung.

Wenn uns Musikhören im besten Sinn des Wortes sprachlos zu machen vermag, oder die Stille zwischen den Noten quasi greifbar ist, wird Musik unendlich faszinierend.

Audio Vinyl: Vielen Dank für die spannenden Einblicke!

Hartmut Roemer ist der Entwickler der legendären Lumen White Lautsprecher und am 4. und 5. November von 14:00 – 17:00 bei Audio Vinyl an der Stampfenbachstrasse 40 in Zürich zu Besuch. Gleichzeitig stellen wir die neuen Lumen White Modelle «kyara» und «white light anniversary» vor. Melden Sie sich jetzt via Telefon (044 350 49 39) oder via mail@audiovinyl.ch an und sichern Sie sich einen Platz! Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.